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Edgar
Selge
Buch-Nr. 149
Besprechung am 06.01.22
Buchtitel .Hast du uns endlich
gefunden
Autor Edgar Selge
Erscheinungsjahr
Oktober
2021, 304 Seiten
Verlag, ISBN Rowohlt Buchverlag 978-3-498-00122-3
Romankategorie/Inhalt . autobiographischer Roman aus der
Kindheit in den 60ger Jahren mit kritischer Auseinandersetzung mit der
nationalsozialistischen Prägung der Eltern
Was
war gut durch Präsens und Ich-Erzählung stark vermittelte
emotionale Nähe zum Ich-Erzähler, nachspielbare Szenen pointiert geschildert.
was war schlecht
BLK,
BLK-Rang 9,2 15/149
Kritik:
Beschreibung
Eine Kindheit um
1960, in einer Stadt, nicht groß, nicht klein. Ein bürgerlicher Haushalt, in
dem viel Musik gemacht wird. Der Vater ist Gefängnisdirektor. Der Krieg ist
noch nicht lange her, und die Eltern versuchen, durch Hingabe an klassische
Musik und Literatur nachzuholen, was sie ihre verlorenen Jahre nennen.
Überall spürt der Junge Risse in dieser geordneten
Welt. Gebannt verfolgt er die politischen Auseinandersetzungen, die seine älteren
Brüder mit Vater und Mutter am Esstisch führen. Aber er bleibt Zuschauer. Immer
häufiger flüchtet er sich in die Welt der Phantasie.
Dieser Junge, den der Autor als fernen Bruder
seiner selbst betrachtet, erzählt uns sein Leben und entdeckt dabei den eigenen
Blick auf die Welt. Wenn sich der dreiundsiebzigjährige Edgar Selge
gelegentlich selbst einschaltet, wird klar: Die Schatten der Kriegsgeneration
reichen bis in die Gegenwart hinein.
Edgar Selges Erzählton ist atemlos, körperlich,
risikoreich. Voller Witz und Musikalität. Ob Bach oder Beethoven, Schubert oder
Dvořák, Marschmusik oder Gospel: Wie eine zweite Erzählung legt sich die
Musik über die Geschichte und begleitet den unbeirrbaren Drang nach Freiheit.
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